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Erkenntnisse aus 20 Jahren Unterricht

6 min Lesedauer | 21.01.2026 | Helmut

Zusammenfassung

Wenn ich heute auf meine zwanzig Jahre im Klassenzimmer zurückblicke, sehe ich nicht Stunden, Pläne, Curricula oder Semester. Ich sehe Menschen. Ich sehe Jugendliche, die gewachsen sind. In diesem Beitrag teile ich meine wichtigsten Erkenntnisse.

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Meiner Erfahrung nach ist Unterricht wie ein Werkzeugkoffer, der nie ganz voll ist. Je länger ich unterrichte, sowohl an der technischen Schule als auch in der Mittelschule, desto klarer wird mir, dass man nie „fertig“ wird. Ich dachte früher, Erfahrung bedeutet, irgendwann alles im Griff zu haben. Heute bin ich der festen Überzeugung: Erfahrung bedeutet eher, gelassener damit umzugehen, dass man nicht alles immer kontrollieren oder hinterfragen muss.

Gerade im technischen Unterricht passiert ständig etwas, womit du nicht rechnest: Ein Mikrofon funktioniert plötzlich nicht, eine Lötstelle ist unauffindbar defekt oder eine Schülerin bzw. Schüler hat eine Frage, die dein komplettes Konzept umwirft. Am Anfang hat mich das verunsichert. Heute sehe ich darin Chancen. Denn oft entstehen die besten Lernmomente genau dann, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Ich glaube, dass genau diese Offenheit ein großer Teil von professionellem Unterricht ist: nicht starr an Abläufen festhalten, sondern Situationen als Lernchancen begreifen, für die Schülerinnen und Schüler und für mich selbst.

Ein Schüler, der mich als Lehrer geprägt hat

Es gibt in einem Lehrerleben diese besonderen Momente, die leise beginnen, aber lange nachhallen. Bei mir war es eine Medienprojekt-Präsentation in einer technischen Klasse. Ein Schüler, nennen wir ihn Markus - war unfassbar still. Er sprach selten, aber beobachtete viel. In Gruppenarbeiten übernahm er nie die Führung, sondern machte still im Hintergrund seine Aufgaben. Für ein Projekt sollten die Schüler ein Kurzvideo drehen. Markus filmte ein Tutorial über die Reinigung eines Audiomischpults. Ehrlich gesagt dachte ich zuerst: „Das wird recht unspektakulär.“

Aber als das Video lief, veränderte sich die Stimmung im Raum: Klare Sprache. Saubere Schnitte. Ruhige Kameraführung. Präzise Erklärung. Man konnte spüren, wie die Klasse plötzlich aufmerksam wurde - spannend zu beobachten! Nach dem Applaus sah ich, wie Markus zum ersten Mal in diesem Jahr richtig strahlte. Ich stand da und dachte: Genau darum mache ich diesen Job. Seit diesem Tag bin ich der Meinung, dass Schülerinnen und Schüler oft Fähigkeiten in sich tragen, die im klassischen Unterricht kaum sichtbar werden. Deshalb versuche ich bewusst, Räume zu schaffen, in denen auch die Leisen, die Unsicheren und die Perfektionisten ihre Stärken zeigen können.

Was Schüler mir über Lernatmosphäre gezeigt haben

In meiner Laufbahn haben mir Schülerinnen und Schüler unbewusst genauso viel beigebracht wie ich ihnen. Besonders ein Satz einer Schülerin in der technischen Schule hat mich geprägt: „Bei Ihnen habe ich keine Angst, dass ich mich blamiere.“ Ich glaube, dass dieser Satz ein ganz zentraler Punkt ist. Denn gerade Jugendliche reagieren empfindlich auf alles, was peinlich werden könnte - und das bremst sie oft. Ein technisches Gerät falsch einstellen? Einen Lötfehler machen? Etwas falsch formulieren? Für viele ist das eine echte Hürde.

Meiner Erfahrung nach lernen Schülerinnen und Schüler viel besser, wenn Fehler nicht als Beweis von Unfähigkeit gesehen werden, sondern als natürlicher Bestandteil eines Prozesses. Deshalb mache ich Fehler im Unterricht bewusst sichtbar. Ich zeige defekte Bauteile, spiele verpatzte Tonaufnahmen vor und analysiere mit ihnen, warum etwas schiefging.

Statt Fehler zu korrigieren, nutze ich sie als Ausgangspunkt für kurze Problem-Lösungs-Sprints: Was ist passiert? Was könnten wir anders machen? Welche Hypothesen gibt es? Diese kleinen Denkwege wirken Wunder, besonders im technischen Unterricht.

Medienunterricht als Lebensschule

Medienunterricht ist für viele ein Sonderfach. Für mich ist es Lebensschule. Ich sehe in fast jeder Stunde, wie sehr praktische Medienarbeit Selbstvertrauen aufbaut. Wenn Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal eine Kamera korrekt einstellen oder ein Audiointerface verkabeln oder ein Stativ ausrichten oder in eigenes Video schneiden, dann wächst etwas in ihnen, das weit über Fachwissen hinausgeht: Selbstwirksamkeit.

Meiner Erfahrung nach ist gerade der Medienunterricht perfekt dafür geeignet, jungen Menschen zu zeigen, dass ihre Entscheidungen Auswirkungen haben. Wenn sie zum Beispiel einen schlechten Ton aufnehmen und später realisieren, dass sie das Mikro falsch ausgerichtet haben, lernen sie mehr als durch jede Theorie. Ich lasse sie deshalb nach jedem Projekt eine kurze Reflexion schreiben: Was hat funktioniert? Was nicht? Was würdest du ändern? Diese drei Fragen haben schon unzählige Lernprozesse ausgelöst.

Warum Praxisprojekte mutig machen

Ich bin der Meinung, dass Praxisprojekte die stärkste Form des Lernens sind, egal ob in Elektronik oder Medientechnik - oder auch ein Werkstättenunterricht in der Mittelschule. Wenn Schüler etwas wirklich herstellen, verändern sich Dynamik und Motivation sofort. Einmal sollten meine Schüler einen kurzen Imagefilm über die Schule drehen. Am Anfang waren sie unsicher: „Dürfen wir das so machen?“, „Ist das zu verrückt?“, „Was, wenn es nicht gut wird?“ Ich habe ihnen nur eine einzige Antwort gegeben: „Probiert es aus - und wenn es schiefgeht, haben wir etwas gelernt.“
Was dann passiert ist, war beeindruckend: Sie wurden mutig. Sie wurden kreativ. Und sie wurden zu einem Team. Das fertige Ergebnis war nicht perfekt, aber es war authentisch, humorvoll und komplett eigenständig. Und ich glaube, genau das gibt Schülern Kraft: zu merken, dass sie etwas erschaffen können, das Resonanz erzeugt. Und dabei: Selbstvertrauen gewinnen!

Die Kraft unperfekter Momente

Gerade im technischen Unterricht passiert ständig etwas Unvorhergesehenes. Ein Kabel ist locker. Ein Bauteil ist defekt. Ein Programm stürzt ab. Und jede Lehrperson weiß: Genau dann wird’s spannend. Meiner Erfahrung nach entstehen in diesen Momenten die stärksten Lernprozesse. Nicht, weil alles funktioniert, sondern weil es manchmal eben nicht funktioniert. Ich erinnere mich an eine Elektronikgruppe, die wochenlang an einer kleinen Verstärkerschaltung arbeitete. Bei der Präsentation hörte man aber keinen Ton. Statt Panik machten wir eine spontane Fehleranalyse, Schritt für Schritt. Und als ein Schüler schließlich die kalte Lötstelle fand, wirkte er wie jemand, der einen Schatz entdeckt hat. Ich nutze Pannen bewusst und nenne sie „echte Situationen“. Denn genau das sind sie später im Berufsleben auch.

Warum Beziehung wichtiger ist als Methode

Ich bin mittlerweile überzeugt: Beziehungen machen mindestens die Hälfte des Unterrichtserfolgs aus. Gerade an technischen Schulen begegnen mir viele Jugendliche, die sich ihrer eigenen Fähigkeiten nicht bewusst sind. Manche trauen sich nicht, ein Gerät anzufassen, andere sind überzeugt, „für Elektronik nicht geeignet zu sein“. Wenn du da als Lehrperson nicht zuerst eine stabile Beziehung aufbaust, erreichst du sie kaum. Meiner Erfahrung nach reichen oft kleine Gesten:

  • ein ehrliches „Wie geht’s dir heute?“
  • ein kurzer Schulterblick bei einer Aufgabe
  • ein Lob, das wirklich verdient ist
  • ein respektvolles Nachfragen, wenn jemand blockiert.

Ich bin der Meinung, dass Schüler am besten lernen, wenn sie wissen, dass sie nicht bewertet, sondern begleitet werden.

Wie Technik Selbstvertrauen schafft

Vor allem im Elektronik- und Medienbereich sehe ich regelmäßig, wie Schülerinnen und Schüler durch praktische Erfolge wachsen. Ein gelötetes Projekt, das funktioniert, kann für manche der erste Moment sein, in dem sie sich selbst als „fähig“ erleben. Ein Jugendlicher sagte einmal zu mir: „Ich dachte immer, Technik ist nichts für mich. Aber heute hab ich’s geschafft - irgendwie liebe ich es“- Ich glaube, dass viele junge Menschen unterschätzen, was in ihnen steckt. Und genau deshalb ist Technikunterricht so wertvoll: Er macht Erfolge sichtbar, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein leuchtendes LED-Modul. Ein Video, das online geht. Ein selbstgebautes Kabel, das den Ton sauber überträgt. Das sind echte, greifbare Erfolgserlebnisse.

Warum wir als Lehrkräfte ständig lernen sollten

Je länger ich unterrichte, desto klarer wird mir: Stillstand funktioniert in diesem Beruf nicht. Neue Generationen lernen anders. Sie denken anders. Sie lernen anderes. Denn Unterricht verändert sich und wir als Lehrpersonen müssen uns mitverändern. Ich habe in den letzten Jahren bewusst neue Tools ausprobiert, moderne Arbeitsweisen übernommen und technische Entwicklungen in den Unterricht integriert. Nicht, weil es modern wirkt, sondern weil es mir hilft, die Schülerinnen und Schüler dort abzuholen, wo sie wirklich stehen. Aber wie wir wissen, ist dies oft auch sehr mühsam!

Fazit: Was nach 20 Jahren wirklich bleibt

Wenn ich heute auf meine zwanzig Jahre im Klassenzimmer zurückblicke, sehe ich nicht Stunden, Pläne, Curricula oder Semester. Ich sehe Menschen. Ich sehe Jugendliche, die gewachsen sind. Ich sehe Fehler, aus denen wir gemeinsam gelernt haben. Ich sehe Momente, die mich verändert haben. Ich bin der Meinung, dass Unterricht viel mehr ist als Wissensvermittlung. Er ist Beziehung, Ermutigung, Orientierung, Persönlichkeit und manchmal auch Therapie. Ich freue mich auf den nächsten Unterricht, der sicher wieder spannende Situationen mit sich bringt.

Als Lehrperson prägt man Schülerinnen und Schüler - aber sie prägen uns mindestens genauso. Aber es bleibt spannend, denn Unterricht soll auch Spaß machen, für uns und unseren Schülerinnen und Schüler.

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