Das Referendariat – für viele angehende Lehrerinnen und Lehrer die Phase der Ausbildung mit den größten Herausforderungen. Man ist plötzlich nicht mehr nur Studentin oder Student, sondern steht mit echten Klassen, echten Kindern und echten Erwartungen im Raum. Zwischen Unterrichtsvorbereitung, Hospitationen, Prüfungsstunden und Konferenzen wissen viele nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht.
Doch keine Sorge: Mit der richtigen Einstellung, ein paar bewährten Strategien und dem Wissen, dass alle vor dir ähnliche Hürden gemeistert haben, kannst du diese Zeit nicht nur überstehen, sondern viel daraus mitnehmen. Hier kommt dein Survival-Guide.
Erwartungen realistisch halten
Das Referendariat ist keine Zeit, in der jede Stunde perfekt läuft. Und das ist auch gut so. Du bist da, um zu lernen – nicht, um gleich von Anfang an wie eine erfahrene Lehrkraft zu funktionieren. Mentorinnen und Mentoren berichten oft, dass Referendarinnen uns Referendare sich selbst zu hohen Druck machen, weil sie jede Stunde auf Prüfungsniveau gestalten wollen. In der Realität reicht es oft, solide und gut strukturierte Stunden vorzubereiten, in denen die Schülerinnen und Schüler etwas Sinnvolles lernen – Perfektion ist kein Muss. Im Gegenteil: Im Referendariat lernst du, Fehler zu machen und daraus zu wachsen. Die Prüfungen sind nur ein kleiner Teil, das tägliche Überleben ist die eigentliche Prüfung.
Organisation als Lebensretter
Ohne eine gute Organisation kann dich das Referendariat schnell überfordern. Du jonglierst Termine, Unterrichtsreihen, Materialberge und Rückmeldungen von Ausbildern. Ein funktionierendes System ist hier Gold wert – und es muss nicht kompliziert sein. Manche setzen auf digitale Tools wie die Maiß Lehrer-App (während des Referendariats gratis), andere schwören auf einen analogen Lehrerkalender zum Beispiel von Leererkalender.de Entscheidend ist, dass du einen Überblick hast und alle To-Dos an einem Ort sammelst.
Tipp aus der Praxis: Plane nicht nur den Unterricht, sondern auch feste Zeiten für die Unterrichtsvorbereitung. Wer jeden Tag planlos an der nächsten Stunde arbeitet, hat schnell das Gefühl, nie fertig zu werden. Stattdessen: Blockzeiten setzen, Material gebündelt vorbereiten und einen „Puffer-Ordner“ mit Notfallstunden anlegen – für die Tage, an denen du spontan einspringen musst.
Von anderen lernen
Deine Mentorinnen und Mentoren sind nicht nur da, um deine Stunden zu bewerten, sondern auch, um dich zu begleiten. Trau dich, Fragen zu stellen, auch wenn sie dir banal erscheinen. Viele erfahrene Lehrkräfte haben einen Fundus an Unterrichtsideen, Methoden und Materialien, den sie gern teilen. Mach dir Notizen, wenn du mit deinem Mentor oder deiner Mentorin sprichst. Viele Tipps kommen nur im Gespräch und nicht schriftlich in der Beurteilung. Und manchmal sind es die kleinen Hinweise, die deine Arbeit langfristig verbessern.
Unterricht planen – aber flexibel bleiben
Ein häufiger Anfängerfehler ist, jede Minute der Stunde durchzuplanen und dann aus dem Konzept zu geraten, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Schülerfragen, Technikprobleme oder einfach eine unerwartet langsame Arbeitsphase gehören zum Alltag. Lerne, mit Pufferzeiten zu arbeiten. Plane zentrale Lernziele, die auf jeden Fall erreicht werden müssen, und Zusatzaufgaben, falls Zeit übrig ist.
Classroom Management ernst nehmen
Gerade im Referendariat unterschätzen viele, wie wichtig eine klare Klassenführung ist. Du kannst die beste Unterrichtsidee haben – wenn die Klasse nicht mitzieht, wird es schwierig. Stelle von Anfang an klare Regeln auf und halte sie konsequent ein. Das heißt nicht, autoritär aufzutreten, sondern Strukturen zu schaffen, in denen sich die Schülerinnen und Schüler sicher und respektiert fühlen. Kleine Rituale wie ein festes Startsignal, ein geordneter Sitzplan oder kurze Reflexionsrunden am Ende der Stunde helfen enorm, Ruhe und Struktur zu bewahren.
Feedback annehmen – und filtern
Im Referendariat bekommst du von allen Seiten Rückmeldungen: Mentoren, Seminarleitungen, vielleicht sogar aus dem Kollegium. Manchmal widersprechen sich diese Tipps. Das kann frustrierend sein. Hier hilft es, alles aufzuschreiben und zu prüfen, welche Hinweise zu deinem Stil und deiner Klasse passen. Nicht jede Empfehlung musst du sofort umsetzen – manche passen vielleicht nicht zu deiner Persönlichkeit oder deiner Unterrichtssituation.Auch wenn es ungewöhnlich klingt, hol dir auch Feedback von den Schülerinnen und Schülern. Sie merken schnell, ob etwas funktioniert und ihre Sicht ist oft erstaunlich hilfreich.
Netzwerke aufbauen
Während des Referendariats kann man sich sehr einsam fühlen, wenn man nur alleine mit dem Stoff kämpft. Such dir Austausch – mit Mitreferendaren, erfahrenen Lehrkräften oder Online-Communities. In vielen Städten gibt es Stammtische, WhatsApp-Gruppen oder virtuelle Plattformen für Lehramtsanwärter. Dieser Austausch ist nicht nur moralische Unterstützung, sondern auch eine Fundgrube für Material, Methoden und Überlebenstipps.
Auf die eigene Gesundheit achten
Es klingt banal, aber viele Referendarinnen und Referendare merken erst spät, wie sehr die Arbeit an den Kräften zehrt. Wer dauerhaft zu wenig schläft, unregelmäßig isst und keine Pausen macht, brennt schneller aus. Plane bewusst Erholungszeiten ein – und halte dich daran.
Prüfungsstunden strategisch angehen
Prüfungsstunden gehören zum Referendariat. Natürlich ist das für dich eine besondere Situation. Versuche dennoch nicht, in diesen Stunden eine „Show“ zu veranstalten, sondern realistischen Unterricht, der die Kriterien der Bewertung erfüllt.
Das bedeutet: klare Lernziele, methodische Vielfalt, aktive Schülerbeteiligung und ein roter Faden. Probiere die zentralen Elemente vorher in normalen Stunden aus – so kannst du sie in der Prüfungssituation sicher einsetzen.
Fehler als Teil des Lernprozesses akzeptieren
Vielleicht die wichtigste Lektion: Du wirst Fehler machen. Alle tun das. Und im Referendariat ist das nicht nur normal, sondern notwendig, um besser zu werden. Erfahrene Lehrkräfte erzählen oft, dass ihre wertvollsten Unterrichtserfahrungen aus Situationen stammen, in denen etwas schiefgelaufen ist – weil sie daraus Lösungen entwickelt haben, die sie bis heute nutzen.
Fazit
Das Referendariat ist intensiv und anstrengend – aber auch eine Zeit, in der du unglaublich viel über dich selbst, deinen Unterricht und deine Rolle als Lehrkraft lernst. Nimm Unterstützung an, vernetze dich, bleib flexibel und vergiss nicht, auf dich selbst zu achten. Am Ende wirst du nicht nur fachlich, sondern auch persönlich gewachsen sein – und genau das macht dich zu einer guten Lehrkraft. Nutze unsere Checkliste zur Vorbereitung des Referendariats oder für einen regelmäßigen Abgleich.
